Ankiindigung. Cursus der Deutschen Sprache in 12 bis 16 Jorlesungen. Die Masse der Gedunken wird nicht erworben durch Lesen , sondern durch Denken. F. JaconsWenn, was die Form einer Sprache betrifft, als gegråndet anzunehmen sey: dasz es eine universal Grammalik för alle Sprachen gebe. so ist dieses keinesweges der Fall, das Wesen und den Geist der Sprache betressend. Es hängen diese nicht von der Sprache selbst ab, sondern von der Nation und deren Character. denen sie den Ausdröck verleihet. Wer 1. B. das Lateinische und Schwedische, nationaliter sprechen und schreiben will. musz als Lateiner und Schwede denken, sonst dräckt er sich, selbst ohne eigentlichen Sprachsehler. weder als Sckwede noch als Lateiner im cigentlichen Sinne aus. Dadurch aber kommt er in Gefahr: dasz sein Åusdruck einen andern Sinn bezeichnet, als der ist, den er cigentlich gomeint hat; oder dasz seinem Ausdruck eine Schwäche anklaäbt. die das Wichtige nur schwach hezeichnet. wåhrend das Minderwichtige weitlanftig um und beschrieben wird. Es athmet eine jede Sprache ihren eigenen National-Geist. der von verborgenen Gesetzen abhängt, die in der Spräche das Warum enthalten; analvg der Canse finite in der Naturphilosophiedie dem Lchren und Erlernen einen eigenen Reiz verleihet, zugleich aber das Fassen, Begreifen und Behalten sehr erleichtert; denn wer sollte nicht leichter fassen und behalten eine aus der Sache selbst begrimdete Regel, als einen trochnen Satz, der ohne Motiv. mechanisch aufgestellt ist! Personen, also nach einer fremden oder auch einheimischen, gewöhnlichen Grammatik unterrichtet. können es durch anhaltenden Fleisz dahinbringen. zur Noth oder auch etwas daräber, ein leicht geschriebenes Buch zu lesen, sich hier und da verständlich zu machen; nm. b. so lange sie noch den Unterricht genieszeu oder auch kurz nachher; aber richtig und nationaliter zu sprechen. noch minder zu schreiben, soll ihnen schwerlich gelingen ; und auch das mit Mähe Erlernte vergiszt sich sehr bald, denn es war das Erlernte nicht beursacht (motivert). sondern nur als viele Regeln und noch mehr Ansnahmen answendig erlernt (memorirt); es war nicht aus dem Geiste der Sprache gesehöpft, welcher zugleich die verschiedenen Bedentungen des Ausdrucks ungiebt und erklärt; es waren nuv auswendig erlernte Phrasen. Und von zehn Ausländern, dic Deutsch sprechen und nicht in Deutschland lange verweilt, nicht hier sich deswegen mit Nationalen iöben, oder auch nicht von der Natur mit besonderem Sprach-Genie begabt worden. — Neune derselben werden meinen uufrestellten Sätz bestätigen. Diesem Uebel zu begegnen, d. h. das Erlernen der Sprache au erleichtern und das Erlernte zu befestigen oder dem Vergessen zu entreissen, achrieb ich mir schon vor fönf Jahren ein eigenes Heft, nach welchem ich die Spräche mit Erfolz lehrte. Ich gab mir die Mähe jede Regel (nach und nach) zu erklären. zu motiviren. will sagen: die Meinung zu deuten. die ein Sprach-Causus-Fehler ausdröckt, oder auch denjenigen Sinn anszugeben, den der fehlerhafte Ausdruck selbst bezeichnet; um so das Erlernen und Behalten zu erleichtern. Seit dem sind noch fånf Jahre verflossen, in welchen ich mich dem Unterricht und dem Forschen fast ganz hingegeben habe. In dieser Zeit habe ich die schwierige lLehre das Genus zu finden, auf feste Regeln gegröndet, sie sogar zur leichten Uebersicht in Tabellar-Form gebracht; diese Lehre den Declinationen angepasst und dadurch das Erlernen und Behalten erleichtert. Wer lernt nicht. indem er lehrt ? (Herder). Und durch das tiigliche Ucbersetzen der Classiker aus der einen Sprache in die andere. schriftlich und måndlich, gelang es mir auch Vergleiche des Ansdrucks in beiden Sprachen anzustellen, wozu ich Wallins Predigten, Tegners und Runebergs Schriften am meisten benutzte, als die jenigen, die bei mir den besten Anklang fanden. i Diese Vorlesungen, das Resultat des Fleisses, des Forschens und der Arbeit von nenn Jahren; die selbst dem gebornen Deutschen ein Interesse abgewinnen, wenn er den Reichthum. die Stärke, die Geschmeidigkeit seiner Muttersprache darin eutwickelt tindet. und. wenn ich mich so ausdrukken darf, physiologisch